AUSSTELLUNG 

wir freuen uns auf Euer Kommen.

Donnerstag, 17. November 2022 von 19:00 – 21:30

GENERATION TRANSMISSION, PICTURED

Ausstellung und Buchpräsentation

Ein Projekt der drei Münchner Künstlerinnen Nana Dix, Anja Frers und Uschi Siebauer

Wer es nicht zur Eröffnung schafft, die Ausstellung läuft vier Wochen, 

Von Freitag, den 18. November bis einschliesslich Samstag den 10. Dezember 2022.

 

Öffnungszeiten Mim Galerie

Donnerstag von 16.00 - 19.00 Uhr

Freitag von 16.00 - 19.00 Uhr

Samstag von 12.00 - 15.00 Uhr

 

mim Raum für Kultur 

Hans-Sachs-Straße 15

80469 München


VIDEO GENERATION-TRANSMISSION-PICTURED    


                                                                        

Das Buch ist für 36,00 € in unserem Shop erhältlich





   



GENERATION TRANSMISSION, PICTURED

EIN KUNSTPROJEKT VON NANA DIX, ANJA FRERS UND USCHI SIEBAUER


Ihre Geschichte ist deine Geschichte ist unsere Geschichte



Transgenerationale Weitergabe (Transmission) bezeichnet die Übertragung von Erfahrungen der Angehörigen einer Generation auf die Mitglieder einer nachfolgenden Generation,wobei es sich in der Regel um ein unbeabsichtigtes, oft unbewusstes und nicht selten auch ungewolltes Geschehen handelt. Wie haben Krieg, nationalsozialistische Ideologie, christliche Traditionen und autoritäre Erziehungsideale unsere Eltern und Großeltern geprägt und welche dieser Prägungen tragen wir weiter?

In welchen Mustern sind wir verhaftet? Welche Schatten lagen auf unserer Kindheit? Die Vergangenheit lebt weiter – als Erbschaft zwischen den Generationen und als Geschichte in jedem von uns.

Sich als deutsche Künstlerin mit dem Thema Ahn:innen zu beschäftigen, bedeutet, dass auch Krieg und Nationalsozialismus nicht ausgelassen werden können.

Unsere Eltern sind zwischen 1930 und 1936 geboren, haben also ihre Kindheit im Nationalsozialismus verbracht.

In unseren Familien wurde wenig über diese Zeit erzählt. Die Großeltern haben geschwiegen, und auch bei unseren Eltern waren Fragen zum Nationalsozialismus und Krieg nicht beliebt.

Es wurde einfach nicht darüber gesprochen, und unsere Eltern waren zu dieser Zeit ja noch Kinder. Das Nachhaken war zudem auch zweischneidig, denn die Wissbegier war immer von einer diffusen Angst begleitet, dass Opa oder Oma sich als glühende Nazis herausstellen könnten.

Einige Familienbilder sind mit Ort und Jahreszahl beschriftet, aber außer vereinzelten Geschichten sind nur wenige Fakten bekannt. Meistens finden sich in den Familienalben Menschen, die offensichtlich im Nationalsozialismus gelebt haben, von denen aber nicht eindeutig überliefert ist, ob sie überzeugte Nationalsozialisten waren, Täter, Kritiker oder Mitläufer.

Geprägt wurden alle diese Kriegskinder, unsere Eltern, von dem damals als Konsens empfundenen Rassismus, der gängigen schwarzen Pädagogik und natürlich vom Krieg.

Nana Dix, Anja Fers und Uschi Siebauer




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NANA DIX

beschäftigt sich in Ihrer künstlerischen Arbeit zu dem Projekt Generation-Transmission mit dem Thema der transgenerationalen Fortführung von nationalsozialistischen Erziehungseinrichtungen. Es existierten bis in das Jahr 1990 1200 Kurheime, die durch einen noch aus der NS Zeit stammenden Erziehungsstil geprägt waren. Sie selbst war im Alter von 7 Jahren in einem Heim zu einem "Kur" Aufenthalt. Sie war eines der 8-12 Mio. Kinder, die einen für sie bis heute  traumatisierenden Aufenthalt verschrieben bekommen hat, ohne (wie in den meisten Fällen) fundierte medizinische Indikation.

Der Künstlerin ist es wichtig, dass diese Thematik mehr Aufmerksamkeit und Resonanz bekommt.

Ein weiteres zentrales Thema von Nana Dix ist ihre künstlerische Auseinandersetzung mit sich selbst, ihren Beziehungen und Familienstrukturen. Eine schwierige Kindheit als Enkelin von Otto Dix, die leidvolle Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Biografie und die ihres von den Nationalsozialisten verfemten und verfolgten, als entartet diffamierten Großvaters, prägten sie sehr. Was liegt unter ihrer Oberfläche verborgen, was macht das Menschsein mit all seinen Facetten und Abgründen aus? Diesen Fragen nähert sich Nana Dix mit ihrer Kunst. 

In ihren Collagen kombiniert sie Seiten von Hochglanzmagazinen aus der schönen Welt des „Scheins“ mit alten Familienfotos, Katalogseiten und Fragmenten aus alten Büchern. Übermalungen verfremden die Bilder und setzen sie in einen neuen Kontext. Die subtile Darstellung von Disharmonie und Grauen (Trauma), das im nicht Sichtbaren liegt, gibt ihren Werken einen mystischen und unheimlich anmutenden Ausdruck.



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ANJA FRERS

legt den Fokus in ihrer Arbeit auf die schwarze Pädagogik durch Erziehungsratgeber, wie "Die Deutsche Mutter und ihr erstes Kind" und der daraus resultierenden komplexen Traumatisierung (Bindungs-/Entwicklungstrauma ) die bis heute ihre Wirkung zeigt.

In den bunten Bildern aus Anja Frers` Kindheit tauchen düstere Gestalten aus einer anderen Zeit auf. Es sind keine Personen aus dem familiären Umfeld der Künstlerin, doch sie symbolisieren als Stellvertreter das elterliche Trauma.

Das Ungesagte, Verschwiegene bekommt Gestalt und zeigt den Missing Link. Die Künstlerin möchte die Betrachtenden in eine neue Sichtweise der "Realität" einbeziehen. Das Sichtbarmachen des Unsichtbaren, das Wissen und Erkennen von Traumata und deren Weitergabe über Generationen hat das Potential, eigene Muster und (Familien-)Strukturen aufzuspüren und aufzulösen. Das ist ein Schlüssel, um ein selbstbestimmtes Leben zu leben, ohne den im Unterbewusstsein eingegrabenen Glaubenssätzen vergangener Generationen Folge leisten zu müssen, und zu verstehen, woher die Ängste stammen, die sich nicht aus der eigenen Lebensgeschichte erklären lassen.

Anja Frers arbeitet seid 2022 als ganzheitliche Traumatherapeutin.




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USCHI SIEBAUER  

Was macht das, was damals war mit dem was ich jetzt bin?
Von einer diffusen Neugierde angetrieben, durchforstete Uschi Siebauer die Familienalben ihrer größtenteils in und um München beheimateten Vorfahren.
Die Vergangenheit ist nicht verschwunden, unsere Ahnen wirken in uns nach und sind somit, mit uns, heute, immer noch da -  manchmal sogar am gleichen Ort.
Erkenne ich mich in meinen Vorfahren?
Spiegle ich mich in meinen Ahnen, spiegeln sie sich in mir?
Welche Muster bleiben bestehen?
Kann ich sie ändern?

Uschi Siebauer spiegelt die Fotografien ihrer Ahnen, ordnet sie neu an, mischt, reproduziert und kopiert sie. Sie löst die Szenen der alten Fotografien auf um Muster zu bilden, manchmal verschwinden alle Personen und übrig bleibt nur die Funktion.
Der Eingriff verändert Stimmung und Schwerpunkt der Bilder. Es entstehen eigene Muster und eine neue Perspektive auf das Geschehen.